Satzspiegel und Layout
Layout
(Wikipedia)
Ein professionelles Layout besteht aus abstrakten Elementen mit definierten Eigenschaften, ist aber zunächst ohne Inhalt. Während Layouts für eine einzelne Drucksache lediglich als Unikate angelegt werden, kann bei Periodika und Reihen auf standardisierte Layoutvorlagen zurückgegriffen werden. Aufgrund der nahezu ausschliesslichen Erstellung von Layouts am Computer lassen sich die Layoutrichtlinien in Form digitaler Stilvorlagen (Absatz-, Zeichen- und Objektstile, die in Dokumentvorlagen vorgegeben werden) fixieren, die das Entwerfen unabhängig vom Standort oder der Anzahl der umsetzenden Grafikdesigner vereinheitlichen und vereinfachen.
Definiert werden bei Druckerzeugnissen in der Regel:
- das Format,
- der Satzspiegel für Text- und Bildanordnung sowie
- die Schrift (Größe, Art) für Überschriften und Fließtexte (Typografie).
Zudem wird ein Farbklima bzw. -spektrum festgehalten, das sich auf die Farben von Schriften, Hintergründen, grafischen Elementen wie Informationskästen, aber auch von Farbabbildungen bezieht.
Makro- und Mikroästhetik
(von Willi Kunz)
Typografische Gestaltung vermittelt nicht nur eine objektive Botschaft (lnhalt), sondern drückt auch subjektive Empfindungen aus. Der Inhalt teilt mit, der Ausdruck beeinflusst die Aufnahme des Inhalts.
Typografische Gestaltung wird auf zwei Ebenen realisiert: auf der makroästhetischen (vordergründig, klar) und der mikroästhetischen (fein, subtil, vielleicht unterbewusst wirkend) Inhalt und Ausdruck treten auf beiden Ebenen in Erscheinung: der erste vorwiegend auf der makroästhetischen, der zweite auf der mikroästhetischen.
Die Makroästhetik schliesst die grundlegenden Elemente der Gestaltung ein: Format, Hauptschrift,
Grundstruktur, Farbe. Sie ist klar ersichtlich: ein Blick genügt, um sie zu erfassen.
Die Mikroästhetik dagegen verlangt einen zweiten Blick, oder sogar ein vertieftes Studium, um voll verstanden zu werden. Nur so werden die verschiedenen Feinheiten und die komplexere Gestaltung erfasst. Die Mikroästhetik löst nicht nur ein Kommunikationsproblem, sondern verrät auch das ästhetische Feingefühl und die Intelligenz des Gestalters.
Grundlagen zur Erstellung eines Layouts
Besonders im Bereich der Werbung (auch bei Plakaten und Broschüren) wird beim Entwurf eines Layouts eine Bildsprache vorgegeben, die den Wiedererkennbarkeitswert einer Marke oder eines Produkts steigern soll.
Bei derart komplexen, planerisch angelegten Layouts ist die Mischung zwischen Konstanten und Variablen entscheidend für den langfristigen Erfolg: Die Konstanten sollen einen festen Rahmen für variable Inhalte vorgeben, ohne sie in ihrer Wirkung zu mindern oder eine Weiterentwicklung des Designs zu verhindern.
Das Grundelement der Gestaltung ist das Format; die nachgeordneten Unterelemente werden als Layouts bezeichnet. Zu ihnen zählen
- Aufmacher
- Kurzartikel
- Eckenbrüller
- Aufsetzer
- Essays etc.
Für die einzelnen Unterelemente wird wiederum ein Layout entworfen und in weitere Unterelemente gegliedert:
- Überschrift
- Lauftext
- Kasten etc.
Format und Layout sowie dessen Unterelemente dienen als „Behälter“ für den später dort eingebrachten Inhalt. Hat sich ein Layout als ästhetisch, sinnvoll und effizient im Hinblick auf Gestaltungsaufwand und Informationsgehalt erwiesen, wird dessen Grundkonzept in der Regel nie bzw. nur in Fällen verändert, in denen ein dauerhaft erfolgreiches Format modernisiert und zeitgemäßem Stil angepasst werden soll.
Die strenge Einhaltung von Format- und Layout-Vorgaben dient einerseits der Corporate Identity eines Medienprodukts, stellt andererseits aber eine wichtige Orientierungshilfe für den Konsumenten im Informationsangebot des Medienprodukts dar.
Satzspiegel
Als Satzspiegel wird in der Typografie die Nutzfläche auf der Seite eines Buches, einer Zeitschrift oder anderen Druckwerken bezeichnet.
A B C
Der Satzspiegel wird begrenzt durch die Stege, also durch die unbedruckten Abstände zwischen dem Satzspiegel und dem Rand (A).
Die Spalten (Kolumnen) mit Text, Grafik oder Bild gehören immer zum Satzspiegel. Auch der so genannte „lebende Kolumnentitel“, der neben der Seitenzahl auch noch kurze Angaben über den jeweiligen Kapitelinhalt enthält, wird zum Satzspiegel gerechnet; ebenso Fußnoten (B).
Dagegen gehört der „tote Kolumnentitel“, der lediglich die Seitenzahl enthält, nicht zum Satzspiegel.
Auch Marginalien und Bogensignaturen werden nicht zum Satzspiegel gezählt (C).
Die Kunst beim Satz ist die Gestaltung der Seite in einer Form bzw. in einem Verhältnis, so dass sie
dem Betrachter harmonisch erscheint. Um dieses meist subjektive Ziel zu erreichen, bedient sich das Druckereihandwerk diverser Regeln und Systeme zur Erreichung des gewünschten Ergebnisses.
Unter anderem werden die Maße des Goldenen Schnittes und zugehörigen Zahlen der Fibonacci-Folge (0, 1, 1, 2, 3, 5, 8, 13, …) bemüht, aber über die Jahrhunderte hinweg auch diverse andere Systematiken. Dabei ist unbedingt darauf zu achten, dass ein bestimmtes Teilungsschema für die Seite nur für ein bestimmtes Seitenformat des Papiers gilt. In der Regel fallen die Stege zu Mitte eines Buches schmaler aus als am Rand, da sich dort die Seiten berühren und somit die beiden innenliegenden Stege optisch eher wie eine Einheit doppelter Breite wirken.
So wurde beispielsweise im Mittelalter bei Papier mit dem Seitenverhältnis 2 : 3 oft ein Verhältnis von Bundsteg : Kopfsteg : Aussensteg : Fusssteg von 2 : 3 : 4 : 6 verwendet, bei Papier mit 3 : 4 auch 3 : 4 : 6 : 8.
Im folgenden Beispiel erfolgt die Satzspiegelkonstruktion einer Doppelseite mit dem Verhältnis der Einzelseiten von 1 : 1,42 (DIN-Format)
Grundkonstruktion: Über die Doppelseite werden die Diagonalen konstruiert (Grün) und die
jeweiligen Einzelseiten zeigen ebenfalls die Diagonalen von oben innen, nach unten außen
(Hellblau).
Die eigentliche Konstruktion des Satzspiegels:
Jeweils die oberen Ecken des Rechtecks und die untere äußere Ecke liegen auf den konstruierten
Diagonalen. Je weiter oben und außen die obere innere Ecke gewählt wird, um so größer
wird der Satzspiegel und umso kleiner werden die Papierränder.
Die Konstruktion des Satzspiegels im Verhältnis des Goldenen Schnitts: erstellen einer Linie senkrecht durch den Schnittpunkt der Seiten und Doppelseitendiagonale (1). Aus dem oberen
Schnittpunkt dieser Linie und des Seitenrandes eine Linie durch den Schnittpunkt der Diagonalen ziehen (2). Daraus ergibt sich der Schnittpunkt 3. Hieraus die Horizontale bis zur Diagonale rechts ziehen, ergibt Schnittpunkt 3. Daraus wiederum die Senkrechte auf die Diagonale ergibt Schnittpunkt 5.
Für eine DIN A4 Doppelseite ergben sich damit folgende Abstände:
Verhältnis Rand in cm zweiseitig Rand in cm einseitig
Bundsteg 99 2,33 3,50
Kopfsteg 140 3,30 3,30
Außensteg 198 4,67 3,50
Fußsteg 280 6,60 6,60
Satzspiegelkonstruktion einer Doppelseite mit Rasterteilung / Neunerteilung:
Die Seite wird horizontal und vertikal in die gleiche Anzahl (9) von Rasterfeldern aufgeteilt. Am inneren und oberen Rand bleibt jeweils ein Rasterfeld frei, am äußeren und unteren jeweils zwei.
Jedes der so entstandenen Rasterfelder entspricht exakt dem Seitenverhältnis der ganzen Seite.
Eine weiteres Beispiel ist die 32er-Einteilung des Satzspiegels. Auf der folgenden Seite sind nur ein paar darauf basierende Seitengestaltungen zu sehen, welche veranschaulichen, wieviele Möglichkeiten ein scheinbar starres Raster bieten kann.
by Barbara Dubs
Quellen:
http://www.vi-media.de/
http://de.wikipedia.org/wiki/Satzspiegel



